Freiwilligendienst

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Während meiner zehnmonatigen Weltreise nach dem Bachelorstudium habe ich einen Monat Halt gemacht in Kambodscha, um als Freiwillige bei der NGO “Bamboo Shoots” (Facebook Seite hier) mitzuarbeiten. Ich wollte raus aus der gewohnten Welt in Deutschland, dem ganzen Materialismus, anderen Menschen helfen und Gutes tun, dort wo es gebraucht wird. Und genau so etwas macht “Bamboo Shoots”. Mit drei Vorschulen für Kleinkinder von 3 bis 5 Jahren und weiteren Bildungsangeboten wie Nachmittagsunterricht in Englisch für ältere Schüler und eine Bibliothek im Dorf, fördert die Nicht-Regierungsorganisation die Bildung von Kindern in Kambodscha. Dass die Zeit dort so intensiv und emotional wird, hätte ich vorher nicht gedacht.

Wie habe ich das organisiert?

Über einen Kontakt in der Lukasgemeinde in Berlin habe ich Petra kennengelernt. Sie ist schon seit über 20 Jahren in Kambodscha und die Managerin der NGO, die sie mit ihrem kambodschanischen Ehemann aufgebaut hat. Einen Monat durfte ich mit ihrer Familie in Siem Reap zusammen leben – die Stadt im Norden, wo auch der berühmte Angkor Wat Tempel liegt.

Bei meiner Ankunft mit dem Bus von Phnom Phen, der Hauptstadt Kambodschas (ca. 5 Stunden für 8 Euro), wurde ich sehr herzlich begrüßt. Alternativ kann man auch nach Siem Reap fliegen oder den Bus aus Bangkok (10 Std.) oder anderen kambodschanischen Städten nehmen.

Weitere Websites für Freiwilligendienste sind z.B. WORKAWAY, das funktioniert wie ein Facebook für freie Stelle als Volunteer – und das gute ist, das Portal zeigt Gastgeber weltweit. Ob Gartenarbeit in Neuseeland, Aushelfen im Gasthaus in den Bergen Kanadas oder Kinder unterrichten in Kenia, es gibt tausende Möglichkeiten. Für US $29 kann man sich für ein Jahr registrieren für weltweite Freiwilligendienste. Auf meiner Weltreise habe ich schon einige Leute getroffen, die über Workaway als Freiwillige gearbeitet haben.

Alle weltweit beteiligten WWOOFING-Länder
Alle weltweit beteiligten WWOOFING-Länder

Eine andere Möglichkeit ist WWOOFING, das für “World-Wide Opportunities on Organic Farms” steht oder wie ich mich aus meinem Auslandsjahr in Australien erinnere “Willing workers on organic farms”. Dort muss man sich aber im Vorhinein schon für ein Land bzw. eine Region entscheiden und bezahlt dann den Mitgliedsbeitrag individuell, z.B. (NZ $40) für Wwoofing in Neuseeland. Das heißt dann aber auch wiederum, dass man nicht so flexibel sein, weil man sich immer wieder neu registrieren und zahlen muss. Aber wenn man sich mit dem Ziel sicher ist, ist es definitiv eine empfehlenswerte Variante und ich habe auch schon einige Reisende getroffen, die gute Erfahrungen gemacht haben.

Noch eine andere Idee ist GUMTREE wenn du Lust auf einen Freiwilligendienst in Großbritannien (England, Wales, Schottland, Irland) oder Australien hast. Dort gibt es nicht ganz so viele Angebote aber zum Beispiel eine Stelle in Melbourne, um einer Organisation zu helfen, die sich um blinde Menschen kümmert.

Alle anderen Websiten möchten nur mit den Freiwilligen Geld verdienen, bei manchen soll man für 4 Wochen sogar 2500€ zahlen. Meiner Meinung nach ist das nicht die Idee von “Freiwilligenarbeit”.

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Wie war mein Tagesablauf?

Der Wecker klingelte schon um 5:30 Uhr, weil der Unterricht aufgrund der Hitze um 7 Uhr in Kambodscha beginnt. Auf dem Hintersitz des Motorrads ging es für mich im Licht des Sonnenaufgangs zur Schule. Da die Vorschulen in den Dörfern rund um Siem Reap liegen, dauerte die Fahrt rund eine halbe Stunde. Dafür wurde ich freudestrahlend von 30 kleinen Kindern empfangen, die alle total aufgeregt waren eine Weiße bzw. Westliche zu sehen.

Zuerst stehen Morgensport und Disziplinübungen auf dem Programm. Das ist besonders wichtig, um die Kleinen auf die strengen Regeln in den staatlichen Schulen vorzubereiten und ihnen Respekt und Verhalten gegenüber dem Lehrer beizubringen. Danach werden Zähne geputzt, nicht wenige von ihnen haben Karies. Das Bewusstsein dafür ist einfach nicht so ausgeprägt, vielleicht auch weil es kein fließendes, sauberes Wasser auf den Dörfern gibt. Die hygienischen Bedingungen waren sehr gewöhnungsbedürftig für mich: keine Klospülung, kein Toilettenpapier und meistens Toiletten mit einem Loch im Boden.

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Wie war der Unterricht in den Schulen?

Der Unterricht war sehr vielfältig. Neben dem Unterricht in der eigenen Sprache Khmer, gibt es Englisch, wofür ich größtenteils zuständig war. Auch auf Kreativunterricht wird viel Wert gelegt z.B. mit Basteln oder Liedern zum Singen und Tanzen. In Englisch habe ich mit den Drei- bis Fünfjährigen das Alphabet und die Zahlen gelernt oder Wortgruppen zu verschiedenen Themen wie “mein Zuhause” oder “mein Weg zur Schule” erarbeitet. Die Aufmerksamkeit der Kids aufrecht zu erhalten, war teilweise ganz schön schwierig. Alles musste spielerisch verpackt werden oder mit Bewegung verbunden sein. Dabei war es gut, die weiteren zwei kambodschanischen Lehrer im Klassenzimmer zu haben, auch für die Übersetzung.

Nach der ersten Stunde gibt es Frühstück, eine wichtige Mahlzeit für die Kinder. Zwischen den anderen Unterrichtsstunden können sie draußen spielen. Nach 11 Uhr ist die Vorschule zu Ende und die Kinder werden abgeholt. Dann hatte ich Mittagspause mit den Lehrern. Manchmal konnte ich bei ihnen zu Hause essen oder die Köchin hat für uns mitgekocht. Das Essen war echt eine spannende kulturelle Erfahrung.

Nach einer kurzen Pause in der Hängematte bei 30 Grad ging es gegen 14 Uhr mit dem Nachmittagsunterricht für Grundschulkinder aus den Dörfern weiter. In der Bibliothek, einem weiteren Bildungsangebot der Organisation, gibt es zusätzlich Englischunterricht und Bibliothekslehre für die Älteren. An allen Standorten habe ich die Lehrer unterstützt oder eigenständig unterrichtet. Das hat mir eigentlich noch mehr Spaß gemacht, weil die älteren Kinder viel konzentrierter sind und schon Vorwissen aus der Schule mitbringen. Sie haben sich sehr gefreut und waren so wissensdurstig, was mich natürlich auch wiederum angetrieben und gefreut hat.

Was lerne ich daraus?

Die Zeit in Kambodscha hat mich sehr geprägt. Die Spuren der Vergangenheit sind immer noch deutlich sichtbar, denn in den 70er Jahren wurde ein Viertel der Bevölkerung von dem Terrorregime “Khmer Rouge” getötet. Es sollte ein Agrarstaat entstehen, weshalb alle Menschen aufs Land ziehen mussten und genau diesen Rückschritt sieht man noch heute in der Entwicklung des Landes. Zu sehen wie die Menschen damit umgehen, wie fröhlich und gastfreundlich sie sind, das hat mich beeindruckt. Und es hat mir gezeigt, dass Familie und Zusammenhalt oft wichtiger im Leben sind als Geld und Arbeit.

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Alle Fotos habe ich selbst gemacht. Bei weiteren Fragen könnt ihr gern kommentieren oder mir über das Kontaktformular schreiben.